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Viele Unternehmen sind seit Langem mit Lernmanagementsystemen (LMS) vertraut. Da sich der Lernbedarf aber ständig weiterentwickelt, setzen sich Lernerfahrungsplattformen (LXP) zunehmend als personalisierte und ansprechendere Alternativen durch. Aber inwiefern unterscheiden sich LXP von LMS und welche Vorteile bieten sie Lernenden? Wir beantworten diese zwei Fragen und mehr.

Was ist eine Lernerfahrungsplattform?

Lernerfahrungsplattformen – bzw. LXP – haben in den letzten Jahren zunehmende Anerkennung erlangt. Einfach ausgedrückt: Eine LXP ist ein digitales Tool in einem Lernökosystem, das personalisierte Online-Lernerfahrungen erstellt und bereitstellt.

LXP zeichnen sich durch ihre soliden Suchfunktionen aus, die Lernenden die Suche nach den benötigten Inhalten erleichtern. Da LXP einen Algorithmus ausführen, können sie basierend auf früheren Suchanfragen zudem Inhaltsempfehlungen geben.

Um den Wert von LXP wirklich zu verstehen, ist es hilfreich, sie vor dem Hintergrund von Lernmanagementsystemen (LMS) zu betrachten.

LXP sind das „Netflix“ des Lernens

Die Unterschiede zwischen LXP und LMS sind ungefähr mit den Unterschieden zwischen Fernsehsendern und Netflix vergleichbar. Im Fernsehen werden Sendungen vom Sender bestimmt. Das bedeutet, sie werden zu festgelegten Sendezeiten ausgestrahlt und Zuschauer müssen sich mit einem vorbestimmten Programm begnügen, wenn sie den Fernseher einschalten.

Vor nicht allzu langer Zeit wurden Streaming-Dienste wie Netflix eingeführt und stellten diese Erfahrung auf den Kopf, indem sie Unterhaltung on demand anboten. Zuschauer*innen sind daher nicht länger auf festgelegte Sendezeiten oder Sendungen angewiesen und können stattdessen zu Netflix umschalten und sich die gewünschte Unterhaltung ansehen, wann immer sie wollen.

Lernerfahrungsplattformen haben die Spielregeln für langjährige LMS-Anwender*innen gleichermaßen verändert. Im Gegensatz zu einem LMS, in dem vordefinierte Lerninhalte veröffentlicht werden, können Lernende mit einer LXP ihre eigenen Inhalte auswählen und erhalten sogar personalisierte Lernempfehlungen.

Der Wert einer LXP

Der Hauptvorteil einer LXP besteht darin, dass sie Lernende dazu ermutigt, selbst die Initiative zu ergreifen, die Plattform zu erkunden und nach den benötigten Lerninhalten zu suchen. Ein LMS hingegen ist auf die Bereitstellung vordefinierter Inhalte zugeschnitten. Im Gegensatz zum Top-down-Ansatz von LMS ermöglichen LXP das Lernen nach dem Bottom-up-Prinzip, indem sie Lernenden eine größere Kontrolle über ihre Weiterbildung bieten.

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Warum geht der Trend weg vom LMS und hin zur LXP?

In den letzten Jahren verlagerte sich der Trend in der E-Learning-Branche vom LMS zur LXP. Um diesen Trend zu veranschaulichen, haben wir ein Lerndiagramm entwickelt.

Wir haben die Lernlandschaft basierend auf vier Haupttrends in die nachstehenden vier Quadranten unterteilt:

Ein Diagramm der Lern- und Entwicklungslandschaft mit Komponenten einer LXP (Talententwicklung, Leistungsunterstützung, formelles Lernen, Wissensaustausch).

Die Welt des Corporate Learning investiert seit Langem viel Zeit und Geld in formelles Lernen (wie im Quadranten unten links dargestellt). Diese Art des Lernens erfolgt systematisch. Mit anderen Worten: Schulungen werden von Ausbilder*innen geleitet, was einen Top-down-Wissensfluss schafft.

Unternehmen beauftragen für gewöhnlich eine zentrale L&D-Abteilung mit der Organisation formeller Lernaktivitäten. Präsenzschulungen oder obligatorische E-Learning-Kurse sind gängige Beispiele hierfür.

Informelles Lernen hingegen findet außerhalb der konventionellen Lehrer-Schüler-Lernumgebung statt. Es ist unstrukturiert, erfolgt spontan und erfordert nicht immer eine(n) Ausbilder*in. In einem Unternehmen bedeutet es, dass die zentrale L&D-Abteilung nicht allein für die Bereitstellung von Inhalten verantwortlich ist. Das bietet Spielraum für einen Bottom-up-Lernansatz, bei dem Subject Matter Experts (Fachexpert*innen) ihr Wissen uneingeschränkter teilen können, ohne ein zentrales Team zu involvieren.

Informelles Lernen ist in der Unternehmenswelt auf dem Vormarsch und wird dem formellen Lernen erwartungsgemäß den Rang ablaufen. Modelle wie das 70:20:10-Modell spielen bei diesem Trend eine maßgebliche Rolle.

Deshalb erfordert diese Veränderung neue Tools.

Während sich ein LMS hervorragend für formelles Top-down-Lernen eignet, ist es per Definition ein Verwaltungstool. Es ist nicht auf das Erstellen von Lernerfahrungen zugeschnitten. Aus der zunehmenden Nachfrage nach einem informellen Bottom-up-Lerntool entstand die LXP.

Ein Diagramm der Lern- und Entwicklungslandschaft mit Komponenten einer LXP (LXP, LMS, Talententwicklung, Leistungsunterstützung, formelles Lernen, Wissensaustausch).

Was sind die Unterschiede zwischen LXP und LMS?

Wir haben LXP und LMS bereits kurz anhand der Netflix-Analogie miteinander verglichen, aber ein gutes Verständnis der Hauptunterscheidungsmerkmale ist wichtig:

  • LXP sind offene Systeme

    Ein Hauptunterschied besteht darin, dass LXP offene Systeme sind, mit denen jeder Inhalte veröffentlichen und Wissen auf der Plattform teilen kann. Ein LMS ist im Gegensatz dazu ein geschlossenes System, zu dem nur Administratoren Kurse und Inhalte hinzufügen können – ein weiterer Faktor, der zum Top-down-Prinzip von Lernmanagementsystemen beiträgt.

  • LXP ermöglichen Bottom-up-Lernen

    Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, ermöglichen LXP einen Bottom-up-Lernansatz. Das bedeutet, Lernende haben eine größere Kontrolle über ihre Lernerfahrung. Aber wie ist das möglich?

    Zum einen können sich Lernende die LXP-Suchfunktion zunutze machen, um die gewünschten Inhalte jederzeit zu finden. Dadurch haben sie genügend Spielraum, ihre Weiterbildung selbst in die Hand zu nehmen – sie können entscheiden, was und wann sie lernen möchten. LXP bieten ferner Lernpfade – eine Reihe verbundener Kurse, die Lernende abschließen, um auf ein übergeordnetes Lernziel hinzuarbeiten. Aber darauf werden wir später noch näher eingehen.

    Ein LMS hingegen ist ein Verwaltungstool, das von einer zentralen L&D-Abteilung für das Top-down-Lernen genutzt wird. In diesem Fall können Lernende nicht flexibel wählen, was und wann sie lernen möchten, sondern müssen mit den zugewiesenen Lektionen interagieren und diese absolvieren. Die zentrale L&D-Abteilung kann dann die Ergebnis-Nachverfolgungsfunktionen des LMS zur Messung des Lernfortschritts nutzen – sie kann zum Beispiel feststellen, ob die Lernenden einen Kurs abgeschlossen und ihn bestanden oder nicht bestanden haben.

  • LXP bieten eine maßgeschneiderte Lernerfahrung

    Die LXP-Suchfunktion ermöglicht Lernenden aber nicht nur das Auffinden der gewünschten Inhalte. LXP-Algorithmen können auch Inhaltsempfehlungen basierend auf früheren Suchanfragen bereitstellen, die auf die speziellen Anforderungen der Lernenden abgestimmt sind. Das bedeutet, LXP können die Bedürfnisse und Interessen der Lernenden mit jeder weiteren Suche besser identifizieren und im Lauf der Zeit präzisere Empfehlungen geben.

Einige Lernmanagementsysteme verfügen zusätzlich über LXP-ähnliche Funktionen, um mit Branchentrends wie Suchfunktionen Schritt zu halten. Funktionen zur Ergebnis-Nachverfolgung werden ebenfalls immer öfter zu LXP hinzugefügt.

Obwohl sich LMS verändern, sind es im Grunde nach wie vor Verwaltungstools. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie das gesamte Lernbedarfsspektrum auf vergleichbare Art und Weise abdecken können wie das lernorientierte Design von Lernerfahrungsplattformen.

Und da sich LMS und LXP maßgeblich voneinander unterscheiden, werden sie vermutlich nicht zu einem einzigen System verschmelzen. Wahrscheinlicher ist, dass LXP, deren Schwerpunkt auf einem Bottom-up-Ansatz mit kurzen, von Subject Matter Experts erstellten Kursen liegt, Lernmanagementsystemen den Rang ablaufen werden. Das könnte dazu führen, dass LXP auch dem Ansatz des Mitarbeiter-generierten Lernens folgen werden.

Beide Systeme tauschen Daten aus bzw. teilen einen Standard-Ergebnisdatensatz, der auf den xAPI-Anweisungen des Learning Record Store (LRS) basiert. Umfangreichere Kurse oder obligatorische Schulungsthemen bleiben voraussichtlich den LMS vorbehalten. Compliance- und Sicherheitsschulungen profitieren zum Beispiel von einem Top-down-Ansatz, von Ergebnis-Nachverfolgungs- und Zertifizierungsfunktionen, für die LMS besser geeignet sind.

Erfahren Sie, was ein LRS ist. 

Funktionen von Lernerfahrungsplattformen

Effektive LXP umfassen mehrere wichtige Funktionen:

  1. Lernpfade

    Wie schon erwähnt, stellen LXP Lernpfade bereit. Es handelt sich dabei um eine Reihe miteinander verbundener Kurse, die Lernenden einen Lernweg vorgeben. Der Grundgedanke besteht darin, Lernenden zu helfen, ein übergeordnetes Lernziel zu realisieren. Da Lernende ihr Lernziel nicht notwendigerweise mit einem einzelnen Kurs oder einer einzigen Lernaktivität erreichen können, gibt ein Lernpfad den Lernweg vor. Auch einige Anbieter von LMS haben damit begonnen, Funktionen für Lernpfade hinzuzufügen.

  2. Moderne Oberfläche und Benutzererfahrung

    LXP sind deutlich neuer als LMS und daher fast ausschließlich webbasiert. Dies verschafft ihnen einen Vorsprung in puncto Benutzeroberfläche und Benutzererfahrung und sorgt für eine moderne, lernorientierte digitale Erfahrung, die einfach zu navigieren ist.

  3. Inhaltserstellung und kuratierte Inhalte

    Das Erstellen und Teilen von Inhalten auf Lernerfahrungsplattformen ist einfach. Das bedeutet, Anwender*innen sind in Bezug auf die Bereitstellung neuer Lerninhalte nicht allein auf das L&D-Team angewiesen, sondern können ebenfalls dazu beitragen. Auch vorhandene Inhalte lassen sich problemlos mit LXP kuratieren. Jeder, der Inhalte kuratieren möchte, kann die relevantesten Informationen zu einem beliebigen Thema einfach auswählen, kategorisieren und präsentieren.

  4. Unterstützt Mitarbeiter-generierte Inhalte

    Da die Inhaltserstellung einfach ist, sind LXP die ideale Plattform für Mitarbeiter-generierte-Lerninhalte. Kurse oder Ressourcen lassen sich mithilfe eines Lernpfads mühelos teilen. Sie können zum Beispiel einen Kurs, den Sie mit Easygenerator erstellt haben, ganz einfach verlinken oder als YouTube-Video einbetten.

  5. Datenberichte und Einblicke

    Die meisten LXP erstellen Datenberichte zu den Lerninhalten. Die Berichte geben Aufschluss darüber, mit welchen Inhalten und in welchem Umfang Mitarbeitende damit interagieren, damit Sie informierte Entscheidungen treffen und Ihre Inhalte im Lauf der Zeit verbessern können.

  6. Mobilgeräte-freundlich

    Ergänzend zu ihrer modernen Benutzeroberfläche wurden LXP auch für die Verwendung von Mobilgeräten – entweder Tablets oder Mobiltelefone – optimiert. Einige verfügen sogar über eigene mobile Apps.

  7. Empfehlungen

    Die meisten LXP nutzen Algorithmen, um Lernenden Empfehlungen für Lerninhalte bereitzustellen. Die Algorithmen basieren auf Benutzerprofilen, vorangegangenen Suchanfragen und Inhalten, die von anderen Lernenden mit vergleichbarem Hintergrund genutzt werden.

  8. Soziales Lernen

    LXP ermutigen Lernende, mit anderen Benutzer*innen zu kommunizieren. Sie ermöglichen es ihnen, Gleichgesinnten zu folgen und mithilfe von Kommentaren und Likes zu interagieren – ähnlich wie bei sozialen Medien.

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Vorteile von Lernerfahrungsplattformen

Die Startseite einer Lernerfahrungsplattform, mit verschiedenen Schulungen und Schulungsvorlagen. Oben rechts sind 3 grüne Symbole angeordnet.

Da wir jetzt ein genaueres Bild von LXP-Funktionen haben, lassen Sie uns die zugehörigen Vorteile betrachten. Hier sind vier Vorteile von Lernerfahrungsplattformen:

  1. Eine ansprechendere Lernumgebung

    LXP stellen Wissen zu einem breiten Inhaltsspektrum bereit und geben Anwender*innen Gelegenheit zur Auswahl der ansprechendsten Lerninhalte. Diese Inhaltsvielfalt ermöglicht ferner die Implementierung unterschiedlicher Blended-Learning-Modelle und schafft zusätzliche Möglichkeiten, Lernende auf einzigartige Weise zu motivieren.

  2. Personalisierte Lernerfahrung

    LXP sind darauf ausgelegt, die individuellen Anforderungen der Lernenden bestmöglich zu erfüllen. Mit leistungsstarken Such- und Empfehlungsfunktionen sparen Lernende Zeit bei der Inhaltssuche und können viel einfacher finden, was sie zur Erreichung ihrer Ziele benötigen.

  3. Soziale Weiterbildung

    Die Möglichkeit in einer Lernumgebung mit anderen Lernenden zu kommunizieren, verleiht E-Learning eine neue Dimension. Sie ermöglicht es Lernenden, Schlussfolgerungen zu verbalisieren, Perspektiven auszutauschen und zugleich die Verantwortung für ihre eigene Weiterbildung zu übernehmen.

  4. Identifizierung von Wissenslücken

    Dank erweiterter Berichtsfunktionen erhalten Autor*innen bessere Einblicke in den Lernfortschritt und können etwaige Wissens- oder Kompetenzlücken identifizieren. Diese Einblicke können später verwendet werden, um die Qualität der Inhalte im Lauf der Zeit zu verbessern.

Die Zukunft von LXP

Der LXP-Markt boomt. Während die Nachfrage nach LMS stagniert, verdoppelt sich der LXP-Marktanteil jährlich. Der LMS-Markt in den USA beläuft sich auf rund $4 Milliarden pro Jahr, der LXP-Markt auf mehrere Hundert Millionen. Eins ist klar: LXP sind von Dauer. Die Frage ist, welcher Anteil des LMS-Markts von LXP absorbiert wird.

Marktpotenzial

In Anbetracht der Reichweite von LXP ist dieser Markt potenziell größer als der LMS-Markt. Ich gehe davon aus, dass der LMS-Markt in den kommenden Jahren rückläufig sein wird und sich stärker auf Compliance und Datensicherheit konzentrieren wird, während sich LXP zur Domäne des Mitarbeiter-orientierten Lernens herauskristallisieren könnte.

Hybridlösung?

Die wichtigste Frage lautet: Wird eine Hybrid-Lösung Erfolg haben? Es gibt bereits LMS mit LXP-ähnlichen Funktionen und umgekehrt. Ist es möglich, nur ein System zu haben, das sowohl Bottom-up- als auch Top-down-Lernprozesse unterstützt? Das bezweifeln wir und prognostizieren, dass LXP in Zukunft eine dominantere Rolle spielen werden, während sich LMS voraussichtlich auf das kleinere Segment der Top-down-Lernprozesse konzentrieren werden.

Über den Autor

Kasper Spiro ist Co-Founder & Chief Learning Strategist von Easygenerator sowie ein anerkannter Vordenker in der Welt des E-Learning. Mit über 30 Jahren Erfahrung ist er ein häufig angefragter Hauptredner und bekannter Blogger in der E-Learning-Community.