Wie Odido mit EasyCoach 1.800 Kundenservice-Mitarbeitenden einen eigenen KI-Coach gegeben hat

Daan Stobbe, Manager of Training and Development bei Odido, erklärt, wie KI-gestütztes Coaching den Engpass bei Rollenspielen im Schulungsraum aufgelöst hat – und dabei einen Anwendungsfall eröffnete, mit dem niemand gerechnet hatte.

Auf einen Blick

Unternehmen

Odido (ehemals T-Mobile Niederlande) ist ein Telekommunikationsanbieter für Privat- und Geschäftskunden in den gesamten Niederlanden. Das Unternehmen bietet Mobilfunk-, Internet- und TV-Dienste an und gehört zu den größten Telekommunikationsanbietern des Landes.

Hauptsitz

Den Haag, Niederlande

Branche

Telekommunikation

Mitarbeitende

5.000

Genutzte Funktionen

Das Trainingsteam von Odido betreut rund 1.800 Kundenservice-Mitarbeitende sowie ein Vertriebsteam im Massenmarkt und im Einzelhandel. Für Daan Stobbe, der seit neun Jahren den Bereich Training und Entwicklung im Unternehmen leitet, dreht sich der Job um eine Sache: dafür zu sorgen, dass die Mitarbeitenden auf alles vorbereitet sind, was Kund*innen ihnen entgegenbringen.

Jahrelang hieß das: Rollenspiele vor Ort. Die Trainer*innen schlüpften selbst in die Rollen – als schwierige Kundin, als frustrierter Anrufer, als jemand, der ein Nein einfach nicht akzeptiert. Das funktionierte, hatte aber Grenzen. Nur wenige Mitarbeitende konnten gleichzeitig üben. Das Feedback hing davon ab, wer gerade im Raum war. Und für die Trainer*innen war es anstrengend.

Easygenerator ist seit rund sechs Jahren Teil der Lernlandschaft von Odido. Das L&D-Team erstellt damit E-Learnings für die gesamte Organisation, von Compliance-Modulen bis zu Produktschulungen, und erfüllt 100 % der Schulungsanfragen mit nur 25 % des ursprünglichen Teams. EasyCoach kam später dazu.

„Das Easygenerator-Team hat uns EasyCoach gezeigt und gefragt, was wir davon halten. Wir waren total überrascht von so einer Innovation. Wir wussten gar nicht, dass wir diesen Bedarf hatten“, sagt Daan.

Wichtigste Ergebnisse

  • Alle Mitarbeitenden können Rollenspiele jetzt selbstständig üben, ohne Trainer*in im Raum
  • Trainer*innen wurden von Mitspielenden zu Beobachtenden – das verbessert die Qualität des Feedbacks in den Sessions
  • Lernende wiederholen Szenarien im Schnitt 2- bis 3-mal pro Session und gewinnen so durch Wiederholung an Sicherheit
  • Im Recruiting eingesetzt, um mehrere Bewerber*innen gleichzeitig zu beurteilen – mit einheitlichen Kriterien und objektiver Bewertung

Rollenspiele vor Ort, die nur wenige Personen gleichzeitig erreichten

Herausforderungen

  • An Rollenspielen im Schulungsraum konnten nur 1 bis 2 Personen gleichzeitig teilnehmen
  • Das Feedback war subjektiv, weil die Trainer*innen die Kundenservice-Mitarbeitenden persönlich kannten
  • Onboarding-Programme brauchten einheitliche Übungsmöglichkeiten im großen Maßstab
  • Zwischen geplanten Sessions gab es keine Möglichkeit, bei Bedarf zu üben

Rollenspiele waren schon immer ein Grundpfeiler des Onboarding-Programms von Odido. Kundenservice-Mitarbeitende haben täglich mit Beschwerden, Einwänden und Frust zu tun. Soft Skills sind wichtig. Genauso wichtig ist es zu wissen, wie man mit einer Cybersecurity-Bedrohung umgeht, wenn ein Anrufer versucht, Kontoinformationen zu erschleichen. Diese Fähigkeiten lassen sich nur durch Übung aufbauen.

Das Problem war der Zugang. Im Schulungsraum übernimmt ein*e Trainer*in die Gegenseite des Gesprächs, während der Rest der Gruppe zuschaut. Im alten Setup hatten die meisten Mitarbeitenden nur wenig Übungszeit, bevor sie echte Anrufe annahmen. „Es gab immer nur ein oder zwei Leute, die das Rollenspiel üben konnten“, erklärt Daan. „Jetzt kann es jede*r – ganz ohne Publikum.“

Auch das Feedback war nicht ohne Tücken. Die Trainer*innen kannten ihre Mitarbeitenden. Diese Vertrautheit ist in vieler Hinsicht wertvoll, konnte aber das Coaching beeinflussen. „Wenn man die Person kennt, ist man manchmal ein bisschen voreingenommen“, sagt Daan.

Für die Trainer*innen selbst waren Rollenspiele kräftezehrend. In der Rolle bleiben, den Raum im Griff behalten und gleichzeitig in Echtzeit coachen – da blieb kaum Energie für eine wirksame Beobachtung. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, die Kundin oder den Kunden zu spielen, um wirklich zu sehen, wie sich die Mitarbeitenden entwickelten.

Wie Odido EasyCoach in seine Trainingsprogramme integriert hat

Das L&D-Team erstellt alle Szenarien auf Basis der Gespräche, die im Kundenservice am häufigsten vorkommen. Dazu gehören Kund*innen mit Einwänden und Widerständen sowie Cybersecurity-Situationen. Für Teamleitungen gibt es eigene Szenarien: schwierige Leistungsgespräche, Bewerbungsgespräche und der Umgang mit Teammitgliedern, die ihre Ziele nicht erreichen.

Die Kundenservice-Mitarbeitenden von Odido üben per Sprache. Sie setzen ein Headset auf und legen los. Die KI übernimmt die Gegenseite des Gesprächs, reagiert auf das Gesagte und gibt am Ende jeder Session Feedback. Im Schnitt durchlaufen die Mitarbeitenden ein Szenario zwei- bis dreimal pro Session.

Für die Trainer*innen ist die Veränderung genauso groß. Statt mitten im Rollenspiel zu stecken, können sie es jetzt von außen beobachten. „Sie sind viel entspannter, wenn sie EasyCoach nutzen und ihre Beobachtungen machen können, während die Lernenden sprechen, statt selbst Teil des Rollenspiels zu sein“, sagt Daan. „Ein Rollenspiel vor Ort kostet sehr viel Energie.“

„Wenn ein Rollenspiel nicht gut genug gelaufen ist, wollen unsere Kundenservice-Mitarbeitenden es unbedingt immer wieder versuchen. Bei einer Session im Schulungsraum können nur ein oder zwei Leute das Rollenspiel üben. Jetzt, mit EasyCoach, kann es jede*r – ganz ohne Publikum.“
Daan Stobbe
Daan Stobbe Manager of Training and Development, Odido
Daan Stobbe

Mehr Übung, mehr Sicherheit, ehrlicheres Feedback

Odido steht noch am Anfang, wenn es darum geht, die Wirkung von EasyCoach an den wichtigsten operativen KPIs zu messen. Die größte Veränderung bisher ist das Selbstvertrauen, sagt Daan. Die Mitarbeitenden gehen in echte Anrufe, nachdem sie das Szenario schon mehrmals durchgespielt haben. Sie haben die Einwände schon gehört. Sie haben die Antwort geübt. Und sie haben Feedback bekommen, das nicht das soziale Gewicht der Meinung einer Führungskraft trägt.

Die Objektivität des KI-Feedbacks ist für die Mitarbeitenden auf eine Weise wichtig, wie es Feedback von Kolleg*innen manchmal nicht ist. Im Schulungsraum kennen sich Mitarbeitende und Trainer*in. Da wird Kritik schon mal abgeschwächt oder an die Stimmung im Raum angepasst. EasyCoach tut das nicht.

„Man bekommt danach ein sehr objektives Feedback. Es ist sehr konstruktiv und gibt richtig gutes Feedback, um immer besser zu werden und sich weiterzuentwickeln“, erklärt Daan.

EasyCoach hat auch ganz grundsätzlich verändert, wie Lernen bei Odido aussieht. „Das Wichtigste ist, dass wir Lernende fürs Lernen begeistern“, sagt Daan. „Früher mussten sie ein sehr langes E-Learning durcharbeiten, und jetzt können sie EasyCoach nutzen, und das spricht sie richtig an. Sie wollen sich immer weiter verbessern.“

Mit EasyCoach Bewerber*innen beurteilen

Ein Anwendungsfall ergab sich, mit dem das L&D-Team so nicht gerechnet hatte: EasyCoach im Auswahlverfahren.

Wenn Odido Auswahltage für neue Stellen im Kundenservice veranstaltet, absolvieren die Bewerber*innen jetzt EasyCoach-Szenarien als Teil des Prozesses. Alle sitzen im selben Raum mit einem Headset und führen dasselbe Gespräch. „Man kann sie alle in einen Raum setzen, ihnen ein Headset geben und einfach loslegen“, sagt Daan.

So lässt sich eine ganze Gruppe von Bewerber*innen gleichzeitig beurteilen, statt nacheinander mit einem*einer Trainer*in. Alle bekommen dasselbe Szenario, dieselbe Kundin oder denselben Kunden, dieselben Kriterien. Das Feedback hängt nicht davon ab, welche*r Trainer*in die Session zufällig geleitet hat.

Das ist inzwischen ein fester Bestandteil der Bewerberauswahl für Rollen mit Kundenkontakt bei Odido.

Wie geht es weiter?

EasyCoach ist derzeit im Kundenservice und im Massenmarkt-Einzelhandel im Einsatz. Die HR-Abteilung prüft Rollenspiele für das operative Management.

Das Verhältnis zwischen Präsenz-Übungen und KI-gestützten Übungen liegt aktuell bei etwa 50/50. Daan erwartet, dass sich das verschiebt. „Wir werden EasyCoach im Vergleich zu Rollenspielen vor Ort immer häufiger nutzen, weil das Tool auch immer besser wird“, sagt er. „Dann können wir es noch viel mehr einsetzen als jetzt.“

Fragen & Antworten

Was ist EasyCoach? –
EasyCoach ist die KI-gestützte Coaching-Funktion von Easygenerator. Mitarbeitende können damit echte Gespräche aus dem Arbeitsalltag mit einem KI-Coach üben, sofort Feedback erhalten und Szenarien so oft wiederholen, wie sie möchten – ohne einen Termin mit einem*einer Trainer*in zu vereinbaren.
Wie nutzt Odido EasyCoach? +
Das L&D-Team von Odido erstellt Szenarien, in denen Kundenservice-Mitarbeitende per Sprache und Headset den Umgang mit Einwänden, Cybersecurity-Bewusstsein und Soft Skills üben. Teamleitungen nutzen eigene Szenarien für schwierige Leistungsgespräche, Bewerbungsgespräche und den Umgang mit Teammitgliedern, die hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Warum ist Odido von Präsenz-Coaching auf KI-Rollenspiele umgestiegen? +
Vor allem wegen Skalierbarkeit und Objektivität. Im Schulungsraum konnten nur ein oder zwei Personen gleichzeitig üben. Mit EasyCoach können alle selbstständig üben. Außerdem fällt die Voreingenommenheit weg, die entsteht, wenn Trainer*innen die Person kennen, die sie coachen.
Wie hat EasyCoach die Rolle der Trainer*innen bei Odido verändert? +
Die Trainer*innen sind von Mitspielenden zu Beobachtenden geworden. Statt selbst die schwierige Kundschaft zu spielen, beobachten sie jetzt das Gespräch und konzentrieren sich aufs Coaching.
Wie nutzt Odido EasyCoach im Recruiting? +
Alle Bewerber*innen sitzen mit einem Headset im selben Raum und durchlaufen dasselbe Szenario. So kann das Team alle gleichzeitig nach einheitlichen Kriterien beurteilen, statt Einzelsessions mit verschiedenen Prüfenden durchzuführen.

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